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APOCALYPSE

PARADE

«Wenn du den Sturm überstanden hast, wirst du den Regenbogen sehen Zébri...» Master Alois | Apocalypse Parade | Kapitel XXX

MANI D. BÄDLE

Operation Cheesestorm 2

MANI D. BÄDLE

Lassen Sie sich von seinem zweiten Roman verführen und treffen Sie den Autor in den sozialen Netzwerken.

6200

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335

Seiten "Swizologie"

700

Arbeitstage

1400

Tassen Kaffee (ja, wirklich!)

Leseproben

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Eine alternative Schweiz, in der Menschen, Tiere und zahlreiche Vertreter der dritten Art Tür an Tür leben, erholt sich langsam von einer noch die dagewesenen Welle des Terrors, die fast ihre Zerstörung bedeutet hätte. Indessen versuchen die Mitglieder einer kleinen, aber wachsenden Familie nach ihrem teuer errungenen Sieg gegen die Mächte des Bösen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Doch der Feind hat vielleicht nicht das letzte Wort gesprochen. Obwohl er vom Ausland aus Vergeltungsmaßnahmen plant, ist und bleibt sein Ziel das Zentrum der alten Welt. Eine neue Ordnung bildet sich, bei der ein geheimnisvoller Gegner, jüngstes Herzstück auf dem geopolitischen Schachbrett, versuchen könnte, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen. Wer wird in der Lage sein, die Fäden der scheußlichen Machenschaft zu entwirren, die sich wie eine schwarze Wolke erneut über die Eidgenossenschaft schiebt? Wird es am Ende noch einen Platz für sie auf der Weltkarte geben?

Die Figuren

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Balloo ist der älteste der vier etwas eigentümlichen Kinder und abgesehen von seinen Geschwistern eine der Hauptfiguren unserer Geschichte. Wie die zahlreichen anderen Vertreter der dritten Art innerhalb und außerhalb der Swiz ist er mit der Fähigkeit des Lebens und der Sprache gesegnet. Er leidet unter der Trennung seiner Eltern und sucht einen gewissen Trost bei alternativen und, sagen wir mal, eher rechtswidrigen Aktivitäten. Immer up to date, und in einer Welt, in der PitPit – der Kurznachrichtendienst – dabei ist, so beliebt zu werden wie Fiesguck, gerät der kleine Bär gegen seinen Willen wieder in ein neues, verrücktes Abenteuer. Gemeinsam mit seiner Familie … und anderen Kreaturen. Wird er diesmal die Chance nutzen, sich ein wenig zu seinem Vorteil zu verändern? Wetten werden gern angenommen!

Zébri, ein großer Fan von Elektromusik, ist Balloos Bruder und der Zweitälteste. Ruhiger, aber nichtsdestotrotz genauso clever wie sein Bruder, ist er etwas ängstlich. Vor allem fürchtet er sich vor den Katzengangs des Viertels. Trotz seiner häufigen Schlafapnoe-Anfälle, zuweilen an höchst ungünstigen Orten, stellt er häufig das Bindeglied zwischen seinem ältesten Bruder und seinen beiden jüngsten Geschwistern her, sofern er gerade wach ist. Unter der Fuchtel eines echten Profis auf der einen Seite und vor den Augen seines Vaters auf der anderen Seite, wagt das kleine Zebra während der Sommerferien seine ersten Versuche als DJ. Auch als Vorbereitung auf den Beitritt in den neuen, gleichnamigen schulischen Fachbereich. Doch besteht das wachsende Publikum, das seinem heißen Musikmix erliegt, wirklich nur aus Bewunderern?

Touki, auch Touk-Touk genannt, war der jüngste, bevor seine Schwester dazu kam, mit der er auch die meiste Zeit verbringt – und die meiste Energie verbraucht. Seine Persönlichkeit hat sich weiterentwickelt, obwohl sein Französisch immer noch zu wünschen übrig lässt. Allerdings ist sein Musikgeschmack weit davon entfernt, allgemeine Zustimmung zu finden, was übrigens auch für seine neue Frisur gilt. Der seltsame Vogel bleibt dennoch ein unverzichtbarer Abenteuergefährte mit erstaunlichen Fähigkeiten, die immer gefragter sind!

Elli, die Neugierige, benutzt ein Pseudonym, wenn sie auf PitPit ist, doch der neueste Spross der Familie ist deshalb nicht weniger schlau oder liebenswert, trotz ihres Smartphones von fragwürdiger Farbe und ein wenig zu glitzernd für den Geschmack mancher. Im Herzen eine Abenteuerin, ist sie für ein Mädchen ihres Alters ungewöhnlich mutig, zuweilen sogar tollkühn und von einer unermüdlichen Neugier, die durch ihren natürlichen Übermut sicher noch verstärkt wird. Und doch ist sie eine kleine Zicke! Schmuck, Boygroups in der Endlosschleife und dümmliches Geplapper bestimmen den Großteil ihres Alltags, aber vielleicht besteht für sie noch Hoffnung. Vielleicht.

Hans-Pierre, der Vater, ist immer noch der zentrale Antiheld in unserer Geschichte. Dem Ex-Banker ist es gelungen, sich beruflich neu zu orientieren, wenn auch vorerst nur mit mäßigem Erfolg, dennoch bereitet er sich mit Enthusiasmus auf seine neue Fortbildung vor und im Anschluss darauf auf die Übernahme eines Ladens. Bis dahin lebt er von Minijobs und baut auf einen seiner Söhne, um die Kundschaft anzulocken, aber auch und vor allem auf die Technik, um neue Eroberungen zu machen – zum großen Missfallen seiner Kinder. Wird er eines Tages zu einer gefestigten Lebensweise zurückfinden? Doch auch diesmal scheint die Vorsehung, und nicht nur sie, etwas anderes für ihn zu planen …

Sigrid, die Ehefrau von Hans-Pierre, hat die Vierzig bereits überschritten und weint der Vergangenheit nach. Infolge der Trennung von ihrem Mann muss sie sich ein neues Leben aufbauen, nachdem sie eine kurze Zwischenstation bei ihren Eltern eingelegt hat. Sie hat sich offiziell bereit erklärt, die Betreuung einiger der Kinder zu übernehmen, träumt dennoch von einer Rückkehr zur Normalität und zwar mit allen Familienmitgliedern. Wird sich ihr Wunsch erfüllen?

Armando gehört seit längerem zum Freundeskreis der Mutter. Er ist transalpiner Herkunft und hat sich als Kfz-Mechaniker selbstständig gemacht. Er hat sich auch auf das Tuning anderer Fahrzeuge spezialisiert, und auch wenn Balloo sich nicht zu dem Thema äußern will, wobei er sicher seine Gründe hat, ist er mit dessen Arbeit sehr zufrieden.

Um bei dem Freundeskreis zu bleiben, muss noch Damian-Jakob erwähnt werden, der unter seinem Künstlernamen bekannter ist und stetig versucht, seinen Kreis zu erweitern. Wird Zébris Ausbilder mit der gewagten Garderobe in der Lage sein, das Vertrauen des Vaters seines Schützlings zu gewinnen? Und worin besteht die Aussage der kryptischen Unterhaltung, deren unfreiwilliger Zeuge Zébri wird, während er in der Regenbogen-Nation weilt?

Was ihre Gastgeber dort betrifft, Sergio, Maximilian und Bruno, deren alter wasserscheuer, swizer Bernhardiner, so haben sich alle gut eingelebt … Aber werden sie es noch sein nach den Ereignissen, die ihre Gäste in einem nahen Restaurant ausgelöst haben? Einem Restaurant, das bei der lokalen sowie einer weiteren, weniger angenehmen Kundschaft so beliebt ist?

Wouter ist nicht nur Hans-Pierres bester Freund, er bleibt auch sein Unterstützer, wenn es darum geht, seine Ziele zu erreichen, worin auch immer der Grund dafür besteht. Großer Sparfuchs, der er ist, geht der gebürtige Holländer weiter seiner unermüdlichen Leidenschaft fürs Sparen nach, ohne zu ahnen, welche Rolle er in dieser neuen Affäre wirklich spielt, die ihm teuer zu stehen kommen könnte – wenn auch nicht so sehr wie dem Rest der Eidgenossenschaft …

Nach zwei Jahren und der Einführung vertrauter Umgangsformen sind Hans-Pierres ehemalige Leidensgenossen Ahmet, Alexander und Murillo unzertrennlich geworden. Wie der Familienvater auch mussten sich die Freunde beruflich neu orientieren und haben für ihn immer einen guten Rat parat. Oder vielleicht auch nicht …

Und nach vielen arbeitsreichen Jahren steht Anton kurz davor, in Rente zu gehen und zählt auf Hans-Pierre, um den besten Fahrradladen in der ganzen Region zu übernehmen. Hat er auf das richtige Pferd gesetzt und wird er irgendwann auch bereit sein, seinen Abschied zu nehmen? Es darf gezweifelt werden …

Kapil, der eine echte Faffenzellerin geheiratet hat, wie er stets betont, möchte dort etwas produzieren, bei dem die Einwohner der Region garantiert an einem Strang ziehen werden. Wie auch immer, auch er ist ein Instrument des Schicksals. Welchen weitgreifenden Einfluss werden die Fahrzeuge ausüben, die er – durchaus nicht aus Versehen – eines Tages während der Hauptgeschäftszeit bei Hans-Pierre ausliefert?

Was Moshé betrifft, so ist er Maler, wenn auch kein Künstler, und handelt eher im Geheimen und am Rande der Legalität. Salomé und er sind das einzige Personal von Monsieur Cohen, um diesen bei der Stilllegung seines Unternehmens und der Erledigung der letzten Aufträge zu unterstützen. Aber wird ein neuer Lehrling namens Zébri nicht eher für einen Totalausverkauf sorgen … und sogar sein Leben dafür riskieren?

Luigi ist ein Geek. Im Grunde ist er es immer noch, doch Toukis Klassenkamerad hat einen falschen Weg eingeschlagen, und nachdem er sich mit Balloo wieder vertragen hat, ist er zum Komplizen und Urheber mancher Aktivitäten des kleine Bären geworden, die mit vielen Gefahren verbunden sind …

Balloo, Zébri, ihr Vater und viele andere Sanbudokas trainieren immer noch bei Meister Alois, dessen wertvolle Lehren sie nach wie vor auf ihren Abenteuern begleitet.

Ken ist auf einer geheimen Mission zur Bekämpfung der Geheimorganisation S.W.I.Z., der Sektion für Wiedermachung, Isolierung und Zerstörung der Swiz, dessen Kopf er immer noch sucht. Dieser ist zwei Jahre zuvor spurlos verschwunden. Doch wird die vermeintlich unfreiwillige Einmischung mancher Mitglieder der kleinen Familie Kens Pläne vielleicht zum Scheitern bringen?

Werden Ursula und vor allem Vreni eine neue Wendung im Leben des einsamen Familienoberhauptes darstellen, trotz der schwierigen Trennung von seiner Frau und der unabdingbaren Ankunft der Andropause? Auch wenn manche Bewohner des Zuricer Sees in einer von beiden eher eine unfreiwillige Höhenforscherin sehen, ist die Grafikerin von der „dunklen Seite“ der Metropole nicht ohne Charme … und Ambitionen. Wird Hans-Pierre sich erneut einen Fehlgriff leisten? Und was bedeutet diese rätselhafte Koalition gegen ihn und seine neue mögliche Angebetete?

Trotz der Entfernung und der Zeit, die vergangen ist, ist Stella, die sehr hübsche Schokolatista immer noch die beste Freundin der Kinder und vielleicht sogar mehr als das. Mit ihrem ewigen Lächeln auf den vollen, aber gänzlich natürlichen Lippen, bleibt die Freizeit-Esoterikerin der Schwarm zahlreicher Bewunderer. Dennoch verbringt sie lieber ihre Zeit mit Balloo, mit dem sie Gefühle teilt und auch ein großes Geheimnis …

Nummer Elf und Nummer Zwölf sind zurück, nachdem der erste mithilfe der zweiten während eines gut organisierten und spektakulären Gefängnisausbruchs geflüchtet ist. Normalerweise ist die Rache eine Speise, die man kalt serviert, doch diese beiden werden nicht zögern, extremen Temperaturen zu trotzen, um ihr Ziel zu erreichen und bei der Gelegenheit zu versuchen, das Ende mancher unserer Helden einzuleiten …

Mit ihren beiden erstaunlichen Haustieren ist Mama Giffy eine eigenartige Figur, die einige Familienmitglieder zufällig im Urlaub treffen. Sie ist für die lokale Filiale eines Vereins verantwortlich, der gerade den Besitzer gewechselt hat, und könnte eine gute Bekannte der Familie kennen. Doch wer ist diese Angehörige der dritten Art, die seltsame exotische Getränke mag, wirklich? Und vor allem, was bedeutet ihre besorgniserregende Warnung an Touki und seine Schwester?

Jahjah scheint sich gut mit Touki zu verstehen, nachdem beide bei einem wenig legalen nächtlichen Ausflug festgestellt haben, dass sie in vielen Dingen den gleichen Geschmack haben. Doch steckt hinter der lockeren Fassade des alternden Rastamans vielleicht mehr als nur ein großes Herz? Und welche besondere Erinnerung möchte er weitergeben? Und was Ismaael betrifft, wird es ihm gelingen, an diesem Abend, das Team aus den Fängen seiner Unterdrücker zu retten? Und für welchen Stamm?

Dingane (Di-n’ga-né) scheint dafür mehr Gemeinsamkeiten mit Zébri zu haben. Jedenfalls sind beide in einer bestimmten Sportart wenig überzeugend, und weder der eine noch der andere weiß, warum das Schicksal sie zueinander geführt hat. Oder ist das vielleicht für jemand anderen?

Nomalanga ist die beste Freundin des alten Jahjah und scheint viel über ihn zu wissen. Vielleicht zu viel, und die gute Köchin quasselt für ihr Leben gern, so scheint es … Aber wie könnte es auch anders sein mit einem neugierigen Team wie Touki, Zébri und die kleine Elli? Bleibt nur die Hoffnung, dass ihnen ihr Wissensdurst nicht schon bald, sehr bald zum Verhängnis wird.

Die große und schöne geheimnisvolle und etwas zerstreute junge blonde Frau ist wieder mit von der Partie. Ihr Gleichgewichtssinn ist besser ausgeprägt als bei Zébri, aber nicht zwangsläufig wirkungsvoller. Ihre Beziehung zum großen Bösewicht ist die Quelle für viele Fragen und Rivalitäten, aber was sind ihre wahren Absichten?

B’aahl-Uttar ist ein Armeegeneral und wie Hans-Pierre auch am Wendepunkt seines Lebens angelangt. Die Ankunft einer bezaubernden Tänzerin mit geheimnisvollem Namen wie auch die ihres Lehrers und einer Kohorte von geheimnisvollen Wesen wird sein Leben und das seines treuen Ardhamesh verändern und vielleicht auch weitere Leben, die folgen werden …

Eusebio Machiaviello ist der Direktor der Schule, die die Kinder besuchen. Seine wiederholen Hautreizungen hindern ihn nicht daran, mit größter Sorgfalt für den Betrieb seines Etablissements Sorge zu tragen. Dessen Entwicklung liegt ihm nämlich sehr am Herzen. So ist er der erste, der in der Eidgenossenschaft einen exklusiven Studiengang zur Vorbereitung auf musikalische Berufe anbietet. Dazu gehört auch eine Spezialisierung für Animateure an den Platinen. Werden die zukünftigen Träger der allerersten Förderung beim größten Musikevent des Jahres in der alemannischen Region seine Erwartungen erfüllen können? Seine treuen Angestellten stehen mit ihm an vorderster Front, darunter Madame Dard, eine Französischlehrerin, die sich gern mit geschmacklich fragwürdigem Klunker schmückt und bei der Touki seine Sprachkenntnisse langsam aufbessert. Aber hat die eidgenossenschaftliche Erziehung wirklich solche Vertreter nötig?

Sharon leitet das Unternehmen Phlegethas, eine überaus diskrete Organisation, die – so munkelt man – mit der Anwesenheit, wenn nicht sogar der Existenz einiger Figuren aus der Geschichte zu tun hat, die aber niemand in seiner unmittelbaren Nachbarschaft haben will.

Der große Bösewicht aus der vorhergehenden Geschichte hat vielleicht noch nicht das letzte Wort gesprochen. Von seinem neuen Schlupfwinkel im Ausland aus schmiedet er finstere Pläne, das Ziel bleibt nichtsdestotrotz das Zentrum der alten Welt. Eine neue Ordnung bildet sich, bei der ein geheimnisvoller Verbündeter des Bösen, jüngstes Herzstück auf dem geopolitischen Schachbrett, versuchen könnte, sich geschickt aus der Affäre zu ziehen. Wer wird in der Lage sein, die Fäden der scheußlichen Machenschaft zu entwirren, die sich wie eine schwarze Wolke erneut über die Eidgenossenschaft schiebt?

Wird es am Ende noch einen Platz für sie auf der Weltkarte geben?

Prolog

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Er sah auf die Bucht hinunter, die tausendfach glitzerte.

Unzählige Kerzen schienen dort im Äther zu hängen, doch das leise Motorschnurren der Schiffe, die hier vor Anker gingen, verriet den wahren Grund. Trotz der angezündeten Laternen herrschte bereits finstere Nacht. Dennoch waren noch zahlreiche kleine Boote zwischen den Dschunken unterwegs, in der unerlaubten Hoffnung, Ware loszuwerden, von oftmals fragwürdiger Qualität. Darunter auch nicht mehr ganz so frischen Fisch, der tagsüber keine Abnehmer gefunden hatte. Genau genommen war das Leben für die Bewohner der vier Fischergemeinden, die sich dauerhaft in der Region direkt an der Lagune angesiedelt hatten, nicht einfach. Trotzdem überlebten sie Jahr für Jahr dank des regelmäßigen Andrangs von Touristen auf der Suche nach Abenteuer oder nach einem ganz besonderen Ort.

Und dieser war ein solcher.

Ausgestattet mit seinem Nachtsichtgerät erkannte er die einzige Passagierin an Bord einer Nussschale. Ja, sie war es tatsächlich. Diejenige, die seine Handlanger zu seinem Vergnügen manchmal hierher brachten, nachdem sie sie gefangen und ihr die Augen verbunden hatten. Wie es bei ihr der Fall gewesen war, wurden seine Opfer anschließend freigelassen. Entweder standen sie unter Drogeneinfluss, oder sie wurden direkt durch eine der Öffnungen, die der Belüftung seiner Höhle dienten, ins Meer geworfen, je nach Eingebung des Augenblicks. Nicht alle überlebten, und er fragte sich erneut, ob die Gerüchte über die verborgene Lagune im grünen, trüben Wasser, in die manche von ihnen fielen, ein Körnchen Wahrheit enthielten.

Und sogar mehr als das.

Um ehrlich zu sein, bestand seine einzige Sorge darin, dass sie den Ort mit seinen Nachkommen im Bauch verließen. Das Überbleibsel einer religiösen Erziehung, der er vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte. Der alte Glaube. Eines der größten Krebsgeschwüre unserer Gesellschaft, seufzte er innerlich. Plötzlich entstand eine Reihe von Assoziationen in seinem Kopf. Ausgesprochen brillant. Ja, die Recherchen von Nummer Zwei zu diesem Thema könnten eventuell dienlich sein … Er würde mit ihr darüber sprechen. Gedanklich machte er sich eine Notiz, bevor er an seine vorherigen Gedanken anknüpfte. Er lächelte angesichts der Schnapsidee eines Sprösslings. Zum Glück bewahrte ihn seine Beeinträchtigung vor solchen lästigen Folgen. Meistens zumindest.

Erneut ließ er seinen Blick über die Bucht und die zahlreichen Boote schweifen, die für die Nacht dort vor Anker lagen. Der unbestrittene Reiz des Ortes zog regelmäßig Besucher zu der riesigen Inselgruppe. Wenn diese anlegten, was glücklicherweise nicht häufig vorkam, strömten alle vorzugsweise zu den Inseln mit den Stränden und Höhlen, die speziell für Besucher ausgebaut worden waren. Wie zu dieser hier, die am höchsten Punkt mit einer Aussichtsplattform und einer Mobilfunkantenne bestückt war, die er insgeheim für seine Zwecke entfremdete. Der Aufstieg dorthin stellte sich für die meisten als halsbrecherisch heraus. Die Senioren zogen es daher vor, auf den hübsch gestalteten Stränden zu kleben, um an maßlos überteuerten Cocktails zu schlürfen, während sie auf die Rückkehr ihrer Schiffe warteten. Die Jüngeren wagten den Aufstieg der rund vierhundert steilen Stufen zum Aussichtspunkt, um gleich danach wieder hinunterzusteigen und den Vergnügen zu frönen, die ihnen der feine Sandstrand bot. Manche nutzten die Gelegenheit, um sich beim Beachvolleyball zu messen.

Wenn der Himmel wolkenlos war, konnte man beinahe die Küste sehen. Die Bucht im Zentrum blieb größtenteils verborgen, was zweifellos ihren Reiz ausmachte. In den Schwaden gefangen war sie von Geschichten umwoben, die von geheimnisvollen Schätzen und romantischen Legenden erzählten.

Die berühmteste dichtete die Entstehung des Archipels einem Drachen an, der vom Himmel gefallen war. Das meiste, so erzählte man, wäre an der Oberfläche geblieben und formte nun die rund dreitausend Inseln und Inselchen, die das Delta dieses Ortes besprenkelten. Der Hausherr dachte an seine früheren Gegner und daran, was er dank seiner Komplizen einige Monate zuvor über sie erfahren hatte. Vermutlich hätte dieser verfluchte Bär gekontert, dass die mystische und feuerspeiende Kreatur möglicherweise einen empfindlichen Magen gehabt hatte; dass sie an diesem denkwürdigen Abend eher zu viel von dem lokalen Bier getrunken und den Großteil des Inhalts wieder herausgewürgt hatte.

Von seiner uneinnehmbaren Insel aus, die wie tausend andere namenlos geblieben war, erspähte der Mann erneut die schöne Fischerin. Wie die meisten ihrer Landsleute war sie relativ klein. Ihre schlanke Figur verdankte sie der täglichen körperlichen Arbeit sowie ihrer Ernährung, die hauptsächlich aus Meeresproteinen und Gemüse bestand. Für eine Einheimische standen ihre Brüste auffallend deutlich hervor, doch er bezweifelte, dass diese chirurgisch vergrößert worden waren. Anrüchige Gedanken überkamen ihn, und er nahm sich vor, einen seiner Mitarbeiter zu beauftragen, sie noch einmal hierher zu bringen. Vermutlich stammte sie aus einem der Küstendörfer, doch er hatte keinen Schimmer, aus welchem.

Im Grunde war es nicht bedeutsam, wirklich nicht.

Wichtiger war die Tatsache, dass die meisten Inseln nur mit einigen Makaken und Giftschlangen bevölkert waren und dass der Großteil so löchrig war wie ein Laib Emmentaler. Und aus mangelndem Interesse wenig erforscht. Es hatte viel Mühe gekostet, seinen neuen Schlupfwinkel zu errichten, und auch viel Geld. Doch die einheimische Bevölkerung bewies selten Kompromissbereitschaft, wenn es darum ging, sich schmieren zu lassen.

In diesem Teil der Welt war Korruption gang und gäbe, aber die Reiche der Mitte und vor allem das der aufgehenden Sonne neigten inzwischen dazu, dem Beispiel des Westens zu folgen und deren Praxis immer weniger zu tolerieren. Schon seit längerem hatte er keinen Sinn mehr darin gesehen, am Hauptquartier in Fukien festzuhalten, und als sein Stützpunkt von diesem dämlichen, verrückten Polizisten und seiner Truppe belagert worden war, hatte das letztendlich nur seine Pläne beschleunigt. Es war ein Kinderspiel gewesen, mit seiner Hauptkomplizin im Mini-U-Boot zu flüchten, das nicht weit von der Gießerei entfernt neben dem mit Fonduetöpfen beladenen Transportfrachter angelegt hatte. Er war bereits über alle Berge gewesen, als der Landungssteg wie auch der Rest zerstört worden war[1]. Dennoch würde er anlässlich der neuen Operation noch einmal seinen Schlupfwinkel verlassen müssen, aber nur für kurze Zeit und zur Krönung seines einzigartigen Talents.

Er betrachtete das Porträt des Adlers, ein Original, das am nackten Fels hing, aus dem viele der Wände bestanden, und blieb einen Augenblick davor stehen. Das alte Kaiserreich hatte im Laufe der Jahrhunderte interessante größenwahnsinnige Herrscher hervorgebracht. Der letzte von ihnen, eine Marionette und blasse Kopie seiner glorreichen Vorgänger, war glücklicherweise dazu gedrängt worden, wegen mangelnder Glaubwürdigkeit abzudanken.

Ihm würde so etwas nicht passieren.

Es bestand wirklich keine Notwendigkeit, eine Karte um die Gebiete jenseits ihrer natürlichen Grenzen zu erweitern, wie immer diese aussehen mochten, doch die eine oder andere Justierung war manchmal unerlässlich.
Um zu bestimmten Zeiten und bei bestimmten Menschen Anomalien zu korrigieren.

Eine simple Wendung der Situation herbeizurufen.

Er rollte mit den Augen, kam aber nicht umhin festzustellen, dass, wie in seinem Fall, die großen Genies der Moderne offenbar zu einem einsamen asketischen Leben verdammt waren. Fern dieser undankbaren Welt, die nicht erkannte, welchen Dienst sie ihr erwiesen.

Da klopfte es laut an der Tür.

„Ihr Besucher hat sein Kommen für Anfang nächster Woche bestätigt, mein Herr“, erklärte sein Assistent.
„Vorher verde ich ein paar Tage veg sein, ich muss unverzüglich los. Doch ich verde für die Besprechung rechtzeitig zurück sein. Vergevissern Sie sich inzvischen, dass der Tisch und der Stuhl sorgfältig präpariert vurden“, befahl er ohne zu zögern oder seinen Ansprechpartner anzuschauen, wobei er einige bewusst gewählte Wörter deutlich betonte.

Wörter, die Gewicht hatten.

„Ja, mein Herr.“
„Sie verden unseren Gast direkt ins Esszimmer führen, aber erst nachdem ich mich an den Tisch gesetzt habe, und achten Sie darauf, dass unser Essen beizeiten serviert vird. Eine Flasche Sillecart-Balmon väre villkommen, aber kein großer Jahrgang. Leute vie er besitzen veder Sinn für Humor noch für Kultur. Er vürde es nicht zu schätzen vissen, geschveige denn den Unterschied merken. Ein 92er vird reichen.“
„Sehr gut, mein Herr.“
„Und veranlassen Sie, dass unser Vorführobjekt verfügbar ist. Übrigens vill ich, dass Sie ihn am Abend vor unserem Treffen herbringen. Haben Sie auch virklich alles verstanden?“
„Absolut, mein Herr.“
„Sehr gut. Veranlassen Sie alles Notvendige. Und stellen Sie sicher, dass Viola in seiner Nähe ist. Regen Sie sie im Vorfeld auf. Sie sorgen dafür, dass sie hungrig ist, ja?“
„Sie bekommt die ganze Woche einen Diätjoghurt pro Tag ohne Farbstoff und mit Aktivbifidus, mein Herr“, antwortete sein Untergebener mit einer gewissen Furcht in der Stimme, bevor er sich diskret zurückzog.

Der Mann blieb allein im Raum zurück. Entschlossen und sich das Kinn streichelnd. Nichts würde ihn diesmal aufhalten! Die Swiz würde in die Knie gehen. Und endgültig von der Weltkarte verschwinden.

#

Nummer Zwölf beschleunigte ihre Schritte.

Der entgegenkommende Verkehr beeindruckte sie wenig, während sie leichtfüßig zwischen den hunderten von Zweirädern glitt, die in stetiger Bewegung waren, und von denen viele ihre Gegenwart mit lautem Hupen kommentierten. Sie ignorierte sie und überquerte den Boulevard, der sie zu der unscheinbaren Gasse führen würde, wo sich, wie sie wohl wusste, der regionale Sitz der Organisation verbarg.

Das Leben in der südasiatischen Metropole war mit den Millionen von Mopeds vergleichbar, von denen es mehr gab als Einwohner und die immerfort die Hauptstraßen pflückten wie ein unersättlicher Heuschreckenschwarm. Es wimmelte unaufhörlich. Einige Ruheoasen gab es dennoch, Überbleibsel aus längst vergangenen kolonialen Epochen. Offene Wunden, die von der Lokalverwaltung eifersüchtig beschützt wurden, weil sie auf vermögende Touristen eine starke Anziehung ausübten. Die eleganten Damen von einst waren unverändert geblieben, entweder waren sie gelb oder weiß getüncht, und dienten oftmals als Hotels mit mehr Sternen als man zählen konnte. Die vornehmen Bauten, die im krassen Gegensatz zum sonstigen Durcheinander aus abenteuerlich aussehenden elektrischen Konstruktionen und unschönen, verwinkelten Behausungen ohne ästhetischen Anspruch standen, boten eine willkommene Atempause vom herrschenden Wahnsinn in der nördlichsten Stadt des Landes. Manche dieser Häuser waren von ihrem ursprünglichen Weg abgekommen und hatten ihre Karriere in andere, bescheidenere Richtungen gelenkt, die nicht unbedingt empfehlenswert waren.

Bald fand sich die junge Frau vor genau einem solchen Haus wieder.

Nichtsdestotrotz verlangte das prunkvolle Gebäude Respekt ab, wobei das bescheidene goldene Schild seitlich der schweren weißen Holztür ihre Aufmerksamkeit erregte. Wie der Hinweis auf eine Privatbank, was es auch war. Zumindest dem Anschein nach. Die Aufschrift war auf Französisch und auch in der Landessprache verfasst, der einzigen in diesem Teil der Welt, die sich aus lateinischen Buchstaben zusammensetzte. Nummer Zwölf griff mit ihren langen feingliedrigen Fingern nach dem goldenen Türklopfer in Form eines ungewöhnlich kurzen, doppelten Alphorns, der als Laib Emmentaler endete, beide waren rissig. Das Erkennungszeichen aller Gebäude, die insgeheim der Organisation gehörten. Sie klopfte viermal energisch gegen die Platte aus dem gleichen Metall, bevor sie die hektische Stadt ihrem Schicksal überließ.

Trotz der Leichtigkeit ihrer Erscheinung konnte die junge Frau nicht verhindern, dass ihre hohen Absätze auf dem hundertjährigen Parkettboden aus Kirschholz laut widerhallten. Diese Tatsache ignorierend setzte sie entschlossen ihren Weg fort. In den Schalen der beiden Zierbrunnen am Empfang badeten frisch geschnittene Blüten in kräftigen Farben. Sie verbreiteten einen angenehmen Duft, was durch den riesigen Deckenventilator noch verstärkt wurde, der auf dem perfekt geschminkten und erstaunlich glatten Gesicht der Besucherin ein sanftes Streicheln verursachte. Einen Moment lang wurde sie von einem Angestellten im Anzug begutachtet, der hinter seinem Schreibtisch saß und für ihre grausame Schönheit anfällig schien.

„Guten Tag, Mademoiselle.“
„Schließfach 274. Bitte beeilen Sie sich[2].“
„Natürlich, Mademoiselle“, sagte er und eilte auf eine unscheinbare Tür zu. „Hier entlang.“

Nachdem er diese sorgfältig hinter sich geschlossen hatte, ging er eine Treppe hinunter. Seine Kundin folgte ihm auf dem Fuße. Nach einigen schnellen Schritten entlang eines menschenleeren, holzgetäfelten Korridors blockierte eine Tür mit dicken Metallstäben den Weg. Ohne zu zögern, griff der Angestellte nach einem Bund mit vielen Schlüsseln und steckte denjenigen ins Schloss, der es unweigerlich öffnen würde. Sie betraten einen großen Raum, der in mehrere gleich große Sektionen aufgeteilt war, doch beide ignorierten die hunderten von Fächern, die in den Wänden eingelassen waren und begaben sich zum hinteren Teil des Saals.

In einer häufig wiederholten Geste, wenn auch bisher getrennt voneinander, führte jeder von ihnen zeitgleich einen Schlüssel in die dafür vorgesehenen, außerordentlich komplizierten Schlösser ein. Eine Wand wurde sichtbar, die langsam in den Boden glitt, vollkommen lautlos. Dahinter waren Stufen zu sehen. Der Angestellte zeigte in die Richtung, und Nummer Zwölf ging allein hinunter, bevor der andere die Wand hinter ihr schloss.

Weiter unten wurde die Identität der Besucherin mithilfe eines Augenscanners bestätigt, so dass sie eine doppelte Reihe von dicken waagerechten Metallzylindern überwinden konnte, die auseinandergingen, um sie vorbeizulassen. Auf dem Korridor, der wie der Rest des Untergeschosses komplett aus Marmor bestand, wurden plötzlich Stimmen laut. Zielstrebig riss sie die riesigen Türen an seinem Ende auf. Ein einzelner Stuhl, klassisch und mit pflaumenfarbenem Velours bezogen, stand noch unbesetzt inmitten zehn anderer Stühle, die den prunkvollen Raum beherrschten, der mit gleichfarbigen Skulpturen und Kolonnaden ausstaffiert war. Mit der nötigen Diskretion nahm Nummer Zwölf ihren Platz ein, bevor der oberste Chef der SWIZ, der Sektion für Wiedergutmachung, Isolierung und Zerstörung der Swiz, seine Ansprache fortsetzte. Sie hatte ihn seit vielen Monaten nicht gesehen, und er hatte sich nicht verändert. Seine Autorität war beruhigend. Anziehend, um ehrlich zu sein. Sie nahm auf ihrem Sitz Haltung an, indem sie die Beine übereinanderschlug und die Brust herausstreckte, dann spitzte sie die Ohren.

„Vir haben in den letzten Monaten in den Nahen und Mittleren Osten sovie im Norden Asiens investiert, um Aufstände, Revolutionen, aber auch Machtergreifungen heraufzubeschvören. Das hat uns bei unseren gegenvärtigen Spekulationen fette Dividenden eingebracht. Durch Vaffenverkäufe zum Beispiel, auch venn bestimmte Fürsprachen im Vesten noch reifen und bei der nächsten Volksabstimmung paraphiert verden müssen. Vas das betrifft, stehen vir kurz davor, eine Operation im Zentrum des alten Kontinents zu starten, sovie in einer ihrer ehemaligen Kolonien, deren Kühnheit unsere bisherigen Aktivitäten in den Schatten stellen vird. In Zukunft verden euch letztere vergleichsveise lächerlich vorkommen[3].“

Offensichtlich gestalten sich die Aktivitäten der Organisation abwechslungsreicher als früher und beschränken sich nicht mehr nur auf eine und dieselbe Region auf dem Globus, dachte die junge Frau. Ja, die Zukunft des Unternehmens stand ganz im Zeichen der Internationalität, auch wenn das Land, das ihrem obersten Führer die Staatsangehörigkeit verweigert hatte, ein Hauptziel blieb. Nummer Zwölf, die von dem Vortrag gefesselt war, spürte ebenfalls ein wachsendes Interesse unter den Anwesenden, die sich aus Geschäftsmännern und -frauen jedweder Herkunft zusammensetzten und alles andere als integer waren. Kapitalanleger vielleicht. Und dann war da noch diese sehr junge blonde Frau, die sie häufig um den Herrn herumschwänzeln sah, ohne dass sie genau wusste, was die beiden miteinander verband. Im Zuge einer früheren Operation hatte sie eine ganze Nacht in ihrer Gegenwart verbracht, doch die beiden Komplizinnen hatten nur unbedeutende Worte gewechselt oder welche, die mit der laufenden Tätigkeit zusammenhingen. Worin bestand ihre Rolle wirklich? Und was stellt sie in den Augen unseres Herrn dar?, fragte sich Nummer Zwölf, die einen Stich Eifersucht spürte.

Nachdem der oberste Chef zwischen den Anwesenden hin und her geschlendert war, ging er die Stufe hoch, die ihn von den anderen trennte, und nahm auf einem Stuhl Platz, der den anderen zehn, die vor ihm aufgereiht waren, bis auf den Stuhlbeinschoner glich. Wäre da nicht die Reihe von Knöpfen auf einem Kasten gewesen, der auf der Armstütze montiert war. Mit dem Zeigefinger berührte er einen der Knöpfe, verharrte aber mitten in der Bewegung, während er seine Ansprache fortsetzte, selbstsicher und seines Einflusses auf die Zuhörer gewiss.

„Die Zusammenarbeit, die vir vor zvei Jahren auf internationaler Ebene zvischen unserer Engineering-Abteilung und der Abteilungen anderer ausländischer Gruppierungen gestartet haben, hat es uns ermöglicht, eine ehrgeizige Technologie der Zerstörung zu entvickeln. Aber urteilt selbst, invieveit sie hält, vas sie verspricht …“

Sein Finger bewegte sich, und oberhalb des Simses eines prunkvollen, wenn auch falschen Kamins, den die junge Frau bisher noch nicht bemerkt hatte, tauchte wie von Geisterhand ein Bildschirm auf. Die extrem gewalttätigen Bilder schlugen die Zuschauer in ihren Bann, woraufhin lauter Beifall ertönte, bevor der Chef seinen Vortrag fortsetzte.

„Entsprechend des Terminplans, den vir mithilfe der Dienstleistungen Kryptografie und Fortschrittliche Planung in den letzten vierundzvanzig Monaten entvickelt haben, vird sich unsere geschätzte Nummer Zvölf unmittelbar nach unserer Zusammenkunft nach Europa begeben, um die primäre Phase zu konkretisieren.“

Einige Blicke richteten sich diskret auf die betreffende Person, die sie mit einem herablassenden Lächeln beantwortete, dennoch konnte sie nicht umhin, die Lider zu senken angesichts des forschenden Blicks ihres Herrn, der seine Augen in ihre versenkte.

Schon nahm er seinen Monolog wieder auf. „Sie vird die Viedereingliederung eines Gefährten in unsere Reihen übervachen, der für die veitere Ausführung der Operation unentbehrlich ist. Gleichzeitig“, setzte er mit einem Hauch von Humor in der Stimme fort, „sehen unsere Pläne ebenfalls die unfreivillige Teilnahme eines dritten Partners vor. Eine Zusammenarbeit, deren Aufsicht ich selbst führe“, schloss er seltsam lächelnd.

Vor den Augen der Mitglieder der Organisation zogen Bilder der Person vorbei, die bei offiziellen Besuchen im Ausland oder einfach bei der Arbeit in seiner Heimat aufgenommen worden waren, während der Applaus immer lauter wurde. Die junge Frau erkannte manche dieser Bilder wieder, die weltweit in den Medien zu sehen gewesen waren.

Sie konnte sich ein leises Lächeln nicht verkneifen, als wenig später ebenjene Person den Raum betrat.


[1] Siehe „Operation Cheesestorm“ des gleichen Autors, Juni 2014
[2] und [3] Nach einem Monolog aus dem Film „Never Say Never Again“, Irvin Kershner, Taliafilms, Producers Sales Organization, Warner Bros., Oktober 1983.

Lauwarmer Krake und Cachaça

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Wie eine Spinne, die in der Mitte ihres Netzes hockte, lauerte der Rollsplitt seinem nächsten Opfer auf.

Es näherte sich mit hoher Geschwindigkeit …

Ohne dass sich der einzige Insasse des Fahrzeugs dessen bewusst war.

Der winzige Stein geriet plötzlich zwischen den Rädern, und das Zweirad wie auch sein Fahrer wären beinahe in eine missliche Lage geraten. Das Hinterrad ist jetzt bestimmt noch mehr verzogen, dachte Letzterer, nachdem er in allerletzter Sekunde den Kurs korrigiert hatte. Zudem blockierte es seit einiger Zeit immer wieder gern, hatte er festgestellt.

Trotzdem steigerte Zébri das Tempo.

Der Scooter, den sein älterer Bruder für ein Fahrzeug aufgegeben hatte, das deutlich mehr fossile Energie verbrauchte, dafür aber in Sachen Bewegungsenergie weitaus genügsamer war, gehörte jetzt ihm. Zum wiederholten Male wurde ihm bewusst, dass Balloo in den letzten Monaten die Wartung offenbar stark vernachlässigt hatte. Der Beschleunigungsakkumulator hatte ein eigenes Leben entwickelt und ließ sich nur noch dann aktivieren, wenn ihm gerade danach war. Was den ultralauten Alarm betraf, der früher einmal in der Nachbarschaft und in den Straßen von Nydertorf Schrecken verbreitet hatte, so hatte er schon vor langer Zeit den Geist aufgegeben. Zébri nahm sich vor, alles auf Vordermann bringen zu lassen, sobald sein Budget es erlauben würde. Außerdem wollte er sich einen Spar-O-Mat-Gutschein besorgen, den er im Fahrradladen einlösen würde, wo sein Vater inzwischen halbtags arbeitete und auch lebte. Dessen Wohnung befand sich genau darüber. Vielleicht ergäbe sich während eines Besuchs bei seiner Mutter auch die Chance, den Scooter bei Armando allgemeinüberholen zu lassen. Der Mechaniker checkte regelmäßig Sigrids Cabrio, das sie nach der Trennung behalten hatte.

Für die kleine Familie waren die Zeiten merklich härter geworden.

Zébri biss die Zähne zusammen und richtete seine Aufmerksamkeit auf den Weg vor ihm. Dabei achtete er darauf, sein Mini-Audiomaterial, das er umgehängt hatte – darunter einige alte 45er Singles und ein Phonokoffer Clearphono Execution CE – nicht zu sehr zu malträtieren.

Er hatte den gebrauchten Plattenspieler bei Leonardo erworben, nachdem er dort sein Snowboard verkauft, seine letzten Treka-Schecks eingelöst, mit seinen Brüdern um ein paar zusätzliche Schecks gefeilscht und schließlich sein Sparschwein voller Fünf-Cent-Münzen geplündert hatte. Der Plattenteller war wirklich sehr kostspielig, und sich von seiner Lieblingswintermontur zu trennen, war für Zébri die reinste Folter gewesen. Trotzdem war er stolz auf seine Errungenschaft und davon überzeugt, dass sie ihm in Zukunft neue Türen öffnen würde. Wie sich inzwischen herausgestellt hatte, war sie unentbehrlich für seine baldige Teilnahme an einer DJ-Schulung, die seit kurzem im Gymnasium in Zolliberg angeboten wurde, wo er wie auch die anderen Kinder in seiner Familie immer noch zur Schule gingen. Das werbewirksame Modell folgte dem traditionellen Lernweg in der Eidgenossenschaft. Wie viele seiner Schulkameraden auch war Zébri noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, um das Gelernte umzusetzen und neue Erfahrungen zu sammeln. In der festen Überzeugung, dass sein wachsendes Talent im richtigen Moment das Glück anziehen würde, wollte er bis dahin in den Sommerferien, die gerade erst begonnen hatten, so oft wie möglich üben.

Es war noch früh am Morgen, und die Straßen um den Hauptbahnhof waren praktisch menschenleer, wie die ganze Zuricer Metropole auch. Infolgedessen kam das kleine Zebra schnell voran. Im Vorbeifahren grüßte es die Nachtschwärmer, deren Augenäderchen und Mägen nach dem morgendlichen Verzehr von Thunfischbretzeln mit Spülmittelgeschmack explodiert waren sowie die beherzten Männer von der Müllabfuhr, die die Überreste von der Fahrbahn entfernten. Vor dem Kasernenareal ließ Zébri sein Fahrzeug stehen, um sich kurz darauf zu seinem Vater und einer weiteren Person zu gesellen, die er zwar schon einmal getroffen hatte, deren Namen ihm aber entfallen war. Beide standen mit nackten Armen neben einem Heizstrahler, wo sie der frühmorgendlichen Frische trotzten. In den Händen hielt jeder von ihnen eine recycelbare Kaffeetasse von Moonstruck sowie eine umwickelte Bratwurst. Das Logo „Morgenkrebs“ wies auf den neueröffneten Laden auf dem Jolieplatz hin, der Scharen von leichtsinnigen Arbeitern der Frühschicht anlockte. Der Familienvater war schlecht rasiert, um ein Haar sogar schnurbärtig, und trug passend zu seinem Brillengestell einen riesigen, spitzzulaufenden, federbesetzten roten Sombrero. Außerdem trug er ein kurzärmliges Hemd in schrillem Violett und Zitronengelb, das dem Anlass angemessen war. Durch das offene Hemd blitzte ein weißer Oberkörper, dessen Grad an Behaarung und Grautönung den Sohn überraschte.

„Guten Morgen, Zébri. Willkommen in Caliente!“
„Hallo, Papa!“
„Ich habe dich nicht so früh erwartet. Ist dir das frühe Aufstehen nicht zu schwer gefallen? Wo hast du geparkt? Du hast doch hoffentlich an die Diebstahlsicherung gedacht? Wie geht es den Großeltern? Darf ich dir meinen Freund Murillo vorstellen, mit dem wir uns während des Festivals die „Bünzlinho Bar“ teilen? Wir zählen auf dich! Unser Stand ist zwar nicht größer als ein Körbchen Thurgauer Erdbeeren, aber mit der richtigen Animation …“
„Aber jaaaaa“, unterbrach ihn der eben genannte Murillo enthusiastisch mit singender Stimme, wobei er die Endsilben dehnte. „Für eine richtig heiße Stimmuuuung heute Nachmittag, gleich zu Beginn des Dorffestes! Sobald der Umzug vorbei ist, wird alle Welt hierherkommen, und dein Papa und ich müssen Feueeeer legen, um viele Caipirinhas zu verkaufeeeeen! Und vor allem heute Abend beim Auftakt-Feuerwerk! Du weißt, dass wir viele Menschen erwarten, und sogar ein ehemaliges Mitglied des Bundesrats mit Wahlhemmung, so wird zumindest gemunkelt! Also Zébri, zeig, was du kannst! Komm mit, ich zeig dir, wo wir stehen. Hier ist Platz für dein Equipment. Wir haben einen guten Standort, weißt du, ohne direkte Konkurrenz. Schau!“

Er streckte den Arm aus, gleichzeitig beugte er sich zu Zébri hinunter und packte seine Schulter.

„Ein Händler tropischer Früchte für den Imbiss, und dort links von uns die Wahl zur Miss Caliente, mit viel Platz davor zum Tanzen. Die Luft wird brennen! Brenneeeeeen!“, rief er lauter werdend, während er einige Sambaschritte machte, wobei die exzessiven Verrenkungen durch die – gänzlich natürliche – Fülle seines brasilianischen Hinterteils noch unterstrichen wurden.

Zébri, der von Murillos Redestrom und Erwartungen leicht eingeschüchtert war, sich dennoch auf die zauberhaften Geschöpfe freute, die den ganzen Tag über knapp bekleidet vor seinen Nüstern vorbeimarschieren würden, folgte den beiden Männern. Diese tranken auf dem Weg ihren Kaffee aus und warfen ihre Tassen in einen benachbarten Container. Obwohl von eher bescheidener Natur war der Stand, mit seiner gelbgrün gestreiften Markise, die in der aufgehenden Sonne leuchtete, ansprechend. Ein hoher Tisch diente als Theke. Darauf lagen eine knallrote Decke und zahlreiche Gläser und Utensilien. Sie passte zu dem guten Eindruck, den Zébri auf Anhieb vom gastfreundlichen kleinen Dorf gewonnen hatte.

Das kleine Zebra verschaffte sich einen Überblick.

Während die beiden Erwachsenen den Stromgenerator hinter dem Stand checkten, der den Blicken der zukünftigen Gäste verborgen bleiben würde, holte Zébri sein Equipment heraus und stellte es auf einen niedrigen Tisch hinter der Theke. Sein Blick wiederum fiel auf zwei von seinem Vater vollgeschriebenen laminierten Blättern, die notdürftig auf die Theke geklebt worden waren. Ihm sprangen ebenfalls ein Dutzend grüne Biozitronen ins Auge, die in Form von drei Pyramiden aufgestapelt waren. Rohrzuckerbeutel mit Fairtrade-Gütesiegel lagen um einige Holzstampfer herum, die entlang mehrerer Cachaça-Flaschen drapiert waren. Die Etiketten waren auf Portugiesisch, doch Zébri hegte keinen Zweifel an der Authentizität und Qualität des Getränks. Dank der kindlichen Illustration auf einer der Flaschen begriff er auch, dass der Inhalt am anderen Morgen keine Kopfschmerzen bereiten würde, auch wenn man ihn in großen Mengen einnahm. Schließlich rundeten zwei für den Anlass gemietete Riesenlautsprecher mit Lichtstrahlern, die links und rechts vom Stand an Masten befestigt waren, ihr kleines Universum ab.

Zébri wiederholte akribisch die Bewegungen, die er zuvor stundenlang eingeübt hatte, um die Lautsprecher nicht am Kühlschrank anzukoppeln. Über sein Mini-Mischpult schloss er den Plattenteller an den Verstärker an und setzte seinen Kopfhörer auf einem Ohr auf. Dieser war mit einem Mikro ausgestattet, das er anschließend überprüfte, indem er das übliche „ein, zwei, drei, Test, Test, Test“ murmelte. Zufrieden mit dem Ergebnis legte er den Kopfhörer zurück. Danach holte er die alten 45er einzeln hervor, die er in Reichweite postierte, bevor er Hülle und Inhalt vorsichtig überprüfte. Zébri war darauf bedacht gewesen, sich die Standards der brasilianischen Musik zu besorgen. Vor allem von Maurim, aber auch von Gilberto Gril. Für einen Moment betrachtete er dessen signiertes Foto und lächelte beim Anblick der Haartracht. Die Frisur des Künstlers im Stil von „den Reichen nehmen, um den Armen zu geben“ bestand aus seitlich geflochtenen Zöpfen, die um eine übergroße Brille herum über dem Kopf auf der anderen Seite gerafft wurden, um den fortgeschrittenen Haarausfall zu kaschieren.

Mit viel Geduld hatte Zébri die Stücke dem aktuellen Geschmack angepasst, indem er sie zunächst auf dem kiwiMax seiner Mutter sequenziert hatte, bevor er anschließend ein neues Tempo, hier und da auch Echos und einige Endlosschleifen eingefügt hatte. Dennoch liebte er den Sound von Vinyl und ließ es sich selten nehmen, ihn einzusetzen. Das galt auch für heute. Die neu gemischten Stücke waren schließlich auf Balloos altem kiwiTouch gespeichert worden, das letzte Teil aus Zébris Arsenal, das er nun an den Rest anschloss. Wie sein älterer Bruder empfing auch er den technologischen Fortschritt mit offenen Armen, dennoch würde der authentische Schallplattensound von damals immer einen gesonderten Platz in seiner Sammlung einnehmen. Dieser würde ihm einen sanften Einstieg in sein Programm ermöglichen, bevor er eine ganze Reihe von Elektrostücken auflegen würde, die er selbst kreiert hatte und die deutlich rhythmischer ausfielen.

„Hier, Zébri, für dich. Eine alkoholfreie Caipirinha aus Himbeeren, die dein Vater auf dem Dachgarten gepflückt hat“, sagte ihm eben jener mit Begeisterung. „Erinnerst du dich an die Setzlinge, die ich vor ein paar Jahren bei Spar-O-Mat günstig gekauft habe? Nun, einer hat letztlich Früchte getragen! Gut, wir haben für die nächsten Tage noch jede Menge Obst kaufen müssen, um diese vier hier zu ergänzen, aber es sind wirklich die allerersten, und zwar nur für dich! Du wirst deine Caipi ziemlich süß finden, denn ich habe zwei ganze Kandrelle-Pastillen hineingetan … Aber ich finde, ab und zu sollte man sich schon mal eine Freude gönnen!“
„Echt jetzt? Danke, Papa!“

Zébri griff nach dem Glas und begann am Likör zu schlürfen, das angenehm säuerlich und dennoch leicht süß war. Sein Cholesterinspiegel hatte sich wieder eingependelt, obwohl sein Bauch aus gutem Grund nach wie vor hervorstach. Das Gespött seiner Schulkameraden diesbezüglich ertrug er manchmal nur schwer. Seine Leidenschaft für die Musik und die Performance sowie sein wachsendes Talent hatten ihm glücklicherweise einen festen Platz in seinem Freundeskreis gesichert. Auch hatte er seinen Status gestärkt, wobei ihm der erfolgreiche Erwerb des gelben Gürtels in Jiu-Jitsu nach der fünften Prüfung zusätzlichen Respekt eingebracht hatte. Im Gegenzug trugen seit der Trennung seiner Eltern die familiäre Situation sowie das ständige Hin und Her zwischen den verschiedenen Haushalten nicht unbedingt zu seinem Gleichgewicht bei. Einige der Kinder hatten sehr eigen darauf reagiert, Zébri selbst hatte mit der Musik einen echten Notanker gefunden.

Plötzlich dachte er voller Trauer an den Rest der Familie, den er erst in mehreren Tagen wiedersehen würde und verdrängte schließlich die Bilder aus seinem Kopf. Er beschloss, das Angebot seines Vaters anzunehmen und das Dorf zu erkunden. Murillo ließen sie allein weiterwerkeln, er würde in der Zwischenzeit ihren kleinen Stand fertig machen.

„Mein Freund Alexander ist auch hier, weißt du“, begann Hans-Pierre.
„Der Consultant mit den vielen Freundinnen, der immer nach Seetang riecht?“
„Ganz genau, Zébri. Damals habe ich an diesem Seminar zur Optimierung von Bewerbungstechniken teilgenommen. Da haben wir uns alle kennengelernt, auch Murillo. Beide mussten sich am Ende neu orientieren.“
„Wirklich? Repariert Alexander auch Fahrradketten?“
„Nein, nein“, antwortete Hans-Pierre und stieß ein aufrichtiges Lachen aus. „Aber er muss jetzt auch in die Vollen greifen, wie du feststellen wirst. Er hat sich mit dem ehemaligen Geliebten einer seiner Mätressen zusammengetan und spezialisiert sich seitdem auf die Kreation von hochwertigen Meereshäppchen.“
„Papa? Darf ich dich was fragen? Ganz ehrlich, wird diese Situation noch lange andauern? Die andern fehlen mir ganz schön, weißt du …“
„Zébri, du bist jetzt groß. Ich hatte dir doch erklärt, dass das nur ein Brotjob ist, der mir dennoch gute Erfahrung einbringt. Mein Projekt ist noch nicht fertig, aber ich hoffe, mich bald selbstständig machen zu können, sobald der jetzige Besitzer in Rente gegangen ist. Das alles ist nur noch eine Frage von Monaten, vielleicht sogar noch weniger, und bald wirst du deine Mutter und Touki wiedersehen … Denk an die erholsamen Tage mit ihnen, die dich dort erwarten. Gut, zugegeben, es ist nicht wirklich Urlaub, aber DJ Woolly wird sich sowohl um dich kümmern als auch deinen Aufenthalt spannend gestalten. Da bin ich sicher! Schließlich hat er sich bereit erklärt, dich zu seinem Lehrling zu machen. Die Bestätigung kam, als du bei den Großeltern warst.“
„Trotzdem war es vorher viel besser“, unterbrach ihn sein Sohn.
„Zébri, wir haben doch schon darüber gesprochen. Das Leben geht weiter, und wir müssen alle nach vorne schauen. Freust du dich denn nicht darauf, diesen Herbst beim neuen Fachbereich in der Schule mitzumachen? Und du kannst sogar schon jetzt im Sommer deiner Leidenschaft nachgehen! Am Anfang waren deine Mutter und ich etwas skeptisch, aber letztlich ist das Programm interessant und kann dir ein paar Türen öffnen. Schau, ich selbst habe beschlossen, qualifizierter Wartungstechniker für Fahrräder aller Art zu werden, sogar für deinen Scooter. Um mich auf die Übernahme des Ladens vorzubereiten. Ich habe sogar schon überlegt, wie wir uns in Zukunft von der Konkurrenz abheben können und spiele mit dem Gedanken, einen exquisiten Tuk-Tuk-Service für die Gegend rund um Zuric anzubieten. Ich kann den Beginn der Ausbildung kaum abwarten, aber in der Zwischenzeit müssen wir von etwas leben und unsere Rechnungen bezahlen. Apropos, guck! Da drüben ist Alexander!“

Der Familienvater bemerkte seinen alten Gefährten, der gerade dabei war, vor seinem noch geschlossenen Stand zu fegen. In dunkleren, aber raffinierten Farben gehalten, Richtung „Lifestyle“, und mit einem Logo versehen, das Meeresfrüchte zeigte, die nach einer Champagnerflasche griffen, lud der Stand ebenfalls zum Verweilen ein. Was die Kommunikation rund ums Konzept betraf, hatte sein Freund offensichtlich nicht gegeizt und sich den Dienst einer professionellen Firlefanz-Agentur gesichert, wenn man von den skandalösen Preisen der Häppchen ausging, die in ganz kleinen goldenen Lettern seitlich am Stand aufgelistet waren. Hans-Pierre fragte sich im Speziellen, was ein „Consultant’s Cocktail Superspezial do Brazil“, das CHF25.50 pro Glas kostete, wohl enthielt.

„Alexander! Wie geht’s dir?“

Die beiden Männer begrüßten sich herzlich, indem sie sich gegenseitig auf die Schulter klopften.

„Ich freue mich, dass du hier bist!“, antwortete sein alter Kumpel heiter. „Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Alle Welt fährt in Urlaub, und Zuric ist auf Leerlauf geschaltet. Hallo, Zébri, wie geht’s dir?“, fragte Alexander und kniete sich hin. „Du kommst, um deinen Vater zu unterstützen? Er wird die Hilfe gut gebrauchen können, habe ich Recht?“, fügte er zwinkernd hinzu. „Gut, dass Leute wie du und ich daran arbeiten, dass Caliente wieder ein Erfolg wird.“
„Du hast vollkommen Recht“, erwiderte Hans-Pierre. „Übrigens gehe ich davon aus, dass Ahmet am frühen Abend zu uns stoßen wird. Sein Kleinstunternehmen ist ein voller Erfolg! Er surft auf der „Peer-to-Peer“-Welle, und seine Kunden kontaktieren ihn über Kurznachrichten auf PitPit, weißt du, mit weniger als hundertfünfzig Zeichen? Aber er ist auch auf Fiesguck, hat er mir erzählt, und natürlich hat er seine eigene Website. Kaum zu glauben, aber wie es aussieht, ist professioneller Gassigeher in der Region ein Beruf mit echtem Potenzial.“
„Stimmt. Er hat mir vor Kurzem eine SMS geschickt, eine herkömmliche. Du weißt schon, wie früher. Mein Unternehmen benutzt kein PitPit. Ich glaube, er wollte wegen eines Projekts mit dir sprechen. Das alles habe ich weit hinter mir gelassen, trotzdem können wir uns die Sache gemeinsam anschauen, wenn es euch beide interessiert. Es ist wichtig, dass euer Vorgehen gut durchdacht ist. Ich schlage dir eine kleine Grobanalyse der Ausfallarten und ihrer möglichen Auswirkung vor, und ich …“
„Warum nicht?“, unterbrach ihn der Ex-Risk-Manager, um die Kopfschmerzen abzuwenden, die sich heimlich und leise herangepirscht hatten, wie nach dem Öffnen einer Flasche Fendant. „Du und Ahmet seid herzlich zu einer Gratis-Caipirinha eingeladen. Das wird uns sicher bei der Ideenfindung helfen!“
„Das bezweifle ich keine Sekunde! Bis dahin, koste mal von dieser lauwarmen Zwergkrake- Rezeptur aus Iguaçu, garantiert ohne Pferdefleisch, auf knusprigem Graubündner Roggenbrot in flüssigem Stickstoff gebacken. Wir haben sie speziell für diesen Anlass kreiert. Zébri, möchtest du auch etwas davon probieren?“
„Äh, nein danke!“, antwortete dieser, während er so tat, als würde er angesichts der Mischung aus glibberigen, dampfenden Mini-Tentakeln ernsthaft überlegen. „Das wäre nicht gut für mein Cholesterin, glaube ich“, improvisierte er recht glaubhaft. „Papa, ich schau mich noch etwas um. Das ist gut für die Inspiration. Außerdem muss ich noch über die Auswahl meiner Stücke für den Tag nachdenken.“
„Aber natürlich, Zébri. Vergiss nicht, wo wir sind. Ich verlasse mich darauf, dass du dich nicht zu sehr von den hübschen Brasilianerinnen ablenken lässt! Man weiß nie, ob es wirklich welche sind!“, prustete er los. „Heutzutage gewinnen sogar bärtige Österreicherinnen den Euronation Song Contest.“

Zébri hörte die beiden Männer hinter ihm schallend lachen und ging, ohne ein wirkliches Ziel zu haben, zwischen den zahlreichen Passagen und Gassen umher. Trotz der frühen Stunde schlenderten die ersten Schaulustige bereits von Stand zu Stand und ließen sich von den zahlreichen, ausgestellten Waren anlocken, die auf ihre Besitzer warteten. Der traditionelle Umzug würde zwar erst in einigen Stunden starten, doch das Festival pulsierte schon jetzt, mangels Musik allerdings vor Tatendrang. Zébri blieb einen Augenblick lang vor einer Gruppe von Capoeira-Kämpfern stehen, die er begrüßte, indem er sich kurz verbeugte. Diese, die in ihm einen anderen Kampfsportler erkannten, nickten und schenkten ihm ein mitwissendes Lächeln, bevor sie mit ihren Übungen fortfuhren. Die beiden Kämpfer standen sich gegenüber und führten extrem schnelle Fußtritte in Kopfhöhe durch, irgendwo zwischen Ballett und Kampfform angesiedelt, ohne den anderen zu berühren. Zébri fragte sich, was sein älterer Bruder, inzwischen Träger des schwarzen Gürtels in Jiu-Jitsu, davon gehalten hätte, und setzte seinen Spaziergang fort.

Etwas weiter übte eine Gruppe von Tänzerinnen in weißen, federverzierten Kostümen und Kopfschmuck zum Klang einer besonders mitreißenden Samba-Batucada, eine der wenigen musikalischen Darbietungen auf seinem Weg. Die Klänge wurden durch die erhöhte Bühne, auf der sie tanzten, noch weiter verstärkt. Gegenüber stand ein Zelt, das förmlich an der Wand klebte, wahrscheinlich das Zelt der Künstler. Für Zébri war das Ganze mit seinem ersten Besuch des Stadions von Putzligrund anlässlich eines Fußballspiels einige Monate zuvor vergleichbar, denn auch jetzt hatte er das Gefühl, als würde sein Brustkorb jeden Moment explodieren. Dennoch zwang er sich, die Tänzerinnen einige Minuten lang zu beobachten, bis eine junge Frau ihm vorsichtig auf die Schulter klopfte. Sie war wie die anderen gekleidet und musste wohl von der Bühne gestiegen sein, ohne dass er es bemerkt hatte. Ihre dunkle, kupferfarbene Haut ließ vermuten, dass er eine Carioca von seltener Schönheit vor sich hatte. Sie reichte ihm einen Kuli, gleichzeitig neigte sie ihr perfektes, unwiderstehliches Gesicht zu seinem, und bat ihn, unten auf einem kleinen kunststoffbeschichteten Plakat zu unterschreiben. Aufgeregt las er den Text:

„Murillo und seine Freunde freuen sich darauf, Sie in der Bünzlinho Bar begrüßen zu dürfen. Dort erwartet Sie während des gesamten Festivals eine Bombenstimmung! Zum ersten Mal am Plattenteller in Caliente, DJ Zébrim do Bahia!“

Ungeachtet der plötzlichen Nässe in seinen Augen kam Zébri der Bitte nach, dabei rang er sich sein schönstes Lächeln ab, bevor er das Plakat seiner Besitzerin zurückgab und seinen Weg voller Stolz fortsetzte.
Dennoch kam er nicht umhin zu bemerken, dass eine der Tänzerinnen etwas länger auf der Bühne verharrte und ihm flüchtige, aber brennende Blicke zuwarf, bevor sie im riesigen Zelt verschwand.

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    - Balloo ist der älteste der […]
  • Prolog

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  • Lauwarmer Krake und Cachaça

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Die Helden

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Eine alternative Schweiz ist wieder das Ziel von ihrem unversöhnlichen Feind … Vier unglaubliche Helden müssen ihre Differenzen vergessen und zusammenkommen, um zu versuchen, seinen Weg zu blockieren.

Balloo

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BALLOO IST DER ÄLTESTE DER VIER ETWAS EIGENTÜMLICHEN KINDER und abgesehen von seinen Geschwistern eine der Hauptfiguren unserer Geschichte. Wie die zahlreichen anderen Vertreter der dritten Art innerhalb und außerhalb der Swiz ist er mit der Fähigkeit des Lebens und der Sprache gesegnet. Er leidet unter der Trennung seiner Eltern und sucht einen gewissen Trost bei alternativen und, sagen wir mal, eher rechtswidrigen Aktivitäten. Immer up to date, und in einer Welt, in der PitPit – der Kurznachrichtendienst – dabei ist, so beliebt zu werden wie Fiesguck, gerät der kleine Bär gegen seinen Willen wieder in ein neues, verrücktes Abenteuer. Gemeinsam mit seiner Familie … und anderen Kreaturen. Wird er diesmal die Chance nutzen, sich ein wenig zu seinem Vorteil zu verändern? Wetten werden gern angenommen! Triff ihn und seine Brüder auf Fiesguck! Triff Balloo ebenfalls auch auf Langsagram und Globterest!

Zébri

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ZÉBRI, EIN GROßER FAN VON ELEKTROMUSIK, IST BALLOOS BRUDER UND DER ZWEITÄLTESTE. Ruhiger, aber nichtsdestotrotz genauso clever wie sein Bruder, ist er etwas ängstlich. Vor allem fürchtet er sich vor den Katzengangs des Viertels. Trotz seiner häufigen Schlafapnoe-Anfälle, zuweilen an höchst ungünstigen Orten, stellt er häufig das Bindeglied zwischen seinem ältesten Bruder und seinen beiden jüngsten Geschwistern her, sofern er gerade wach ist. Unter der Fuchtel eines echten Profis auf der einen Seite und vor den Augen seines Vaters auf der anderen Seite, wagt das kleine Zebra während der Sommerferien seine ersten Versuche als DJ. Auch als Vorbereitung auf den Beitritt in den neuen, gleichnamigen schulischen Fachbereich. Doch besteht das wachsende Publikum, das seinem heißen Musikmix erliegt, wirklich nur aus Bewunderern? Triff ihn und seine Brüder auf Fiesguck!

Touki (Touk-Touk genannt)

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TOUKI, AUCH TOUK-TOUK GENANNT, WAR DER JÜNGSTE, BEVOR SEINE SCHWESTER DAZU KAM, mit der er auch die meiste Zeit verbringt – und die meiste Energie verbraucht. Seine Persönlichkeit hat sich weiterentwickelt, obwohl sein Französisch immer noch zu wünschen übrig lässt. Allerdings ist sein Musikgeschmack weit davon entfernt, allgemeine Zustimmung zu finden, was übrigens auch für seine neue Frisur gilt. Der seltsame Vogel bleibt dennoch ein unverzichtbarer Abenteuergefährte mit erstaunlichen Fähigkeiten, die immer gefragter sind!. Triff ihn und seine Brüder auf Fiesguck!

Hans-Pierre

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HANS-PIERRE, DER VATER, IST IMMER NOCH DER ZENTRALE ANTIHELD IN UNSERER GESCHICHTE. Dem Ex-Banker ist es gelungen, sich beruflich neu zu orientieren, wenn auch vorerst nur mit mäßigem Erfolg, dennoch bereitet er sich mit Enthusiasmus auf seine neue Fortbildung vor und im Anschluss darauf auf die Übernahme eines Ladens. Bis dahin lebt er von Minijobs und baut auf einen seiner Söhne, um die Kundschaft anzulocken, aber auch und vor allem auf die Technik, um neue Eroberungen zu machen – zum großen Missfallen seiner Kinder. Wird er eines Tages zu einer gefestigten Lebensweise zurückfinden? Doch auch diesmal scheint die Vorsehung, und nicht nur sie, etwas anderes für ihn zu planen …

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Mani

Mani D. Bädle
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Biografie

Mani D. Bädle ist 1969 geboren. Mit mehreren Diplomen in der Tasche, darunter ein MBA, startet er eine internationale Karriere in diversen, hauptsächlich englischsprachigen, Unternehmen. Er nutzt die Gelegenheit, um viel zu reisen und vor allem im Ausland zu leben, wo er fremde Kulturen wie ein Schwamm aufsaugt und sich inspirieren lässt.

Mani im realen Leben

Zwar ist er Bürger von Zürich, doch eigentlich ist er Weltbürger und speziell Bürger seiner eigenen Welt. Er arbeitet im Marketingbereich eines „FinTech“ Startups und lässt nach Feierabend seiner wilden Fantasie entsprechend freien Lauf. Während einer kürzlichen Reise in den „grossen Kanton“ Mani hat ein Interview auf deutsch an Raps Für Den Lachs gegeben. Der Author ist verlobt und hofft, dass er eines Tages die Zeit finden wird zu heiraten. In der Zwischenzeit hat er einen Blog erstellt, wo er und die Hauptfiguren über die Entstehung des Buches und die aktuelle Lage sprechen.

Motivation

Seine Leidenschaften sind die Kampfkunst, Computer und Internet. Mani schreibt täglich und veröffentlicht selbst seine Romane, die von Miriam Pharo ins Deutsche übersetzt wurden.

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